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ISOLA bella

 

Liebe Frau Lehrerin, stellen Sie sich vor, wir haben in den Ferien ein wirklich gutes Lokal auf der Donauinsel entdeckt. Jetzt versprechen wir auch brav hinzugehen.

 

Gökhan Umar und Burak Bulugan kann derzeit kein Wiener Gastro-Insulaner das Wasser reichen

Wir waren alle noch in der Schule, als die Frau Lehrerin mit einem großen Hängeplan in die Klasse kam. Einmal aufgerolt, sahen wir, wie die Donau in 10 Jahren aus der Vogelperspektive aussehen würde. Nicht mehr eine Donau sollte es sein, sondern deren zwei. Dafür wollten sie unser schönes Überschwemmungsgebiet kaputtmachen, wo man die selbst gebastelten Drachen steigen lassen konnte. Anstelle dachten sie, eine Insel zu errichten - die Donauinsel eben. Pfui Gack, so ein Blödsinn.

Ein Jahr später kamen die Bagger. Zuerst am Unterlauf dann bei Klosterneuburg. Wir sind die Baustellen mit unseren Klapprädern abgefahren und haben den Huntertschaften beim Kaputtmachen zugesehen. Dauernd hat der Herr Bürgermeister im Fernsehen durchgesagt, wie toll und super sich die Wiener fühlen werden, wenn das Projekt einmal fertig ist. Uns hat das gar nicht gefallen. Meine Großmutter war auch dagegen. Später war sie aber für die Donauinsel. Das war, nachdem wir im Überschwemungsgebiet eine alte Handgranate gefunden haben, die wir durch die Gegend warfen, bis die Polizei kam und uns beschimpfte.

Dann ist die Reichsbrücke eingestürzt und die Floridsdorfer Brücke war auch kaputt. So konnten wir nicht mehr auf das Überschwemmungsgebiet Fussballspielen gehen. Und weil wir weg waren und nicht mehr gestört haben, haben sie halt ganz schnell die Insel gebaut. Wie wir dann erwachsen waren, war sie fertig. Und tatsächlich: Alle haben sich gefreut.

Auf der Insel war zuerst garnichts. Nur so ein Sportzentrum bei der Uno-City. Da hat man etwas ganz Schlechtes zum Essen bekommen. Der Westenthaler Peter war auch immer dort. Vielleicht hat ihn das Essen so verdorben.
Später haben ein paar Hütten aufgemacht, wo du Steckerlfisch und ähnlichen Blödsinn bekommen konntest. Wir sind aber immer zum Chinesen in die Arbeiterstrandbadstraße gegangen. Oder ins Gasthaus Birner. Die sind beide immer noch gut.
Noch später haben die Sozis so ein Fest eingeführt, wo man Ö3-Musik spielt. Das hat uns weniger gefallen, doch heuer - glaub ich - ist auch ein FM4-Zelt dazugekommen. Das war schon besser. Zu essen gab's aber auch heuer immer noch Mist. Nur Mist.
Auch in den schönen neuen Hochhäusern gibt´s keine guten Lokale. Dabei wäre da ein super Platz für ein Panoramarestaurant. Im Mischeck-Tower sowieso. Aber da liegen nur tote Tauben am Balkon. Die räumt komischerweise keiner weg. Schade, dass ein guter Platz so vorkommt. So hatten wir die Donauinsel und ihr Rundherum schon aufgegeben. Nur Hausmeister in Badeschlapfen oder Intimgepiercte ohne was zum Anziehen. Und nichts Anständiges zum Essen weit und breit. Eine Katastrophe. Wenn das die Frau Lehrerin wüsste, würde sie ihren Hängeplan wieder einpacken und verschämt aus dem Klassenzimmer entschwinden.
Doch halt! Was ist denn das?
Da ist ein neues Lokal, weiter unten, zu die nackerten hin.

Es heißt all' isola und es gibt Fisch dort.
Keinen Fisch aus der Lobau, oder gar aus dem Entlastungsgerinne, wo die Leut Lulu hineinmachen. Nein, Fisch aus dem Meer. Und wer bringt den Fisch?
Na die Umar-Brüder vom Naschmarkt, die G'schwister mit dem besten Fischstand in der Stadt. Sie kennen den Herrn Bulugan gut, dem das Lokal gehört und der einmal ein sehr schickes Cafe geführt hat, wo auch ein sehr begabter Koch gekocht hat - bis der Besitzer anders entschied und Herr Bulugan ihm eins gehustet hat (der begabte Koch übrigens auch).

Die Umar-Brüder leben Fisch. Demnächst werden ihnen wohl die Kiemen wachsen. Wer so begeistert ist, der braucht nicht viel. Herr Bulugan hat deswegen auf der Insel auch nicht viel aufgestellt. Einpaar Klapptische, ein paar Klappsessel dazu, Tischtücher drüber, schiarche Pergolas am Dach, noch eine Küche hingezimmert: Fertig ist die Hütte.

Billig ist sie auch, was uns angesichts der gebotenen Qualität in Erstaunen versetzt. Soll heißen, es schmeckt freilich super hier, sonst wären wir schon ein paar Zeilen zuvor böse geworden. Super ist das ideale Wort für alles im all isola. Super ist der gebratene Tintenfisch, so einfach, so perfekt, wie beim Italiener in Castelmonte Maggiore vor drei Jahren. Super auch die Linguine-Nuddeln mit Shrimps (€ 6,90), die gut zeigen, was eine frische Zutat ausmacht: Nämlich alles. Alles super hier. Super ist der gebratene Prosciutto, in den Garnelen eingewickelt sind (€ 5,80). Megasuper alle marktaktuellen Fische (ca. € 11,-), die man in super Olivenöl herausbrät und nur minimal mit Petersilie bestreut. Es ist so super hier, das man sich so einen Superladen auch in der Stadt wünscht. Am besten im neunten Hieb und im siebenten auch. Denn da wohnen wir jetzt.
Doch halt. Vielleicht ist das keine gute Idee. Will man denn sein Urlaubslokal vor der Haustüre? Nein. Wenn´s heftig kalt wird, ist eine ganz andere Stimmung unter uns. Also nur jetzt. Im Sommer. Nichts wie hin. Auf der Donauinsel, die die Sozis den Wienern geschenkt haben. Uns gefällt sie erst jetzt ein bisschen. Jetzt, wo sie auf ein paar Quadratmetern Italien ist. Das finden wir super, Frau Lehrerin. Ist jetzt Pause? Dürfen wir gehen?

ALL'ISOLA
Copa Cagrana, der letzte Stand flussabwärts
Tel. 0664/557 10 83